Situation 19: Thomas Scheibitz

by MaxDax

  

Seit 2006 betreibt der Maler und Bildhauer Thomas Scheibitz gemeinsam mit Karsten Heller und Thomas Müller den Verlag DIAMONDPAPER, in welchem er in unregelmäßigen Abständen aufwändige und haptisch exorbitant schön gestaltete Künstlerbücher/Kataloge veröffentlicht.

Thomas Scheibitz beteiligt sich mit diesen Publikationen diskursiv an der seit Jahren laufenden Debatte um die Zukunft der (gedruckten) Zeitschrift und von Archiven im digitalen Zeitalter.

Anlässlich seines Gesprächs mit Max Dax am 12. Oktober in der Santa Lucia Galerie der Gespräche veröffentlicht Thomas Scheibitz ein neues Künstlerbuch mit dem Titel „texte, notizen, szenarien“, in welchem er sich erstmals theoretisch mit den Einflüssen seiner Kunst auseinandersetzt. „Texte, Notizen, Skizzen“ ist eine Sammlung seiner über die Jahre geschriebenen Essays, Artikel und sonstigen Texte, ergänzt um – wie der Titel es bereits andeutet – Notizen und Skizzen. Dem Künstlerbuch vorangestellt ist ein Gespräch von Max Dax mit Thomas Scheibitz, auf das am Abend in der Galerie Bezug genommen wird, außerdem liegt dem Katalog ein Faksimile des Plakats zur Situation 19 bei.

Max Dax: „texte, notizen, szenarien“ ist ein Cut-up, eine Sammlung von Ideen, Skizzen, Fragmenten — und entsprechend hat es das Potenzial, wirklich einen Prozess abzubilden. Auch wenn alles — dankenswerterweise möchte ich fast sagen — mangels Erklärungen abstrakt bleibt. Bist du ein Sammler? Ich sehe kaum Zeitschriften in deinem Atelier, aber wer Zeitschriften macht, sammelt für gewöhnlich auch Magazine.

Thomas Scheibitz: Ich bin Zeitschriftensammler. Ich sammele überhaupt Vieles. Vor allem aber Abbildungen.

Max Dax: Ist „texte, notizen, szenarien“ für dich ein Atlas im Sinne Gerhard Richters?

Thomas Scheibitz: Der Atlas oder der Atlantenbegriff ist natürlich fast schon einmal so etwas wie eine Selbstverständlichkeit für jemanden, der sich mit Abbildungen, mit Nachahmungen, mit Nachfolge oder mit Ähnlichkeiten in der Ikonografie beschäftigt. Das Sammeln von Abbildungen ist elementar. Man fährt entweder, um ein Beispiel zu nennen, selbst zu den Wasserfällen und schießt dort ein Foto — oder man schneidet sich ein Foto vom Wasserfall aus der Zeitung. Durch die große Menge an Informationen, die wir versuchen in kürzester Zeit zu filtern oder auf den Tisch zu legen, sind wir angewiesen auf eine Zulieferung, einen Zugriff auf eine Art von Referenzarchiv, das wir uns anlegen. Gerhard Richters Begriff vom Atlas trifft auf mich allerdings konkret nicht zu. Er ist ein geschätzter Künstler, der sich im Gegensatz zu mir mit der Nachahmung beschäftigt — während ich jemand bin, der sich eher mit der Nachfolge von Abbildungen befasst. Ich kann nicht ein einziges Motiv, das ich ausgeschnitten, fotografiert oder gesammelt habe, direkt verwenden. Sondern ich muss es in mehreren Schichten übersetzen. Und damit ändert sich eine Sammlung, die für mich einen Sinn ergibt, schon einmal fundamental.

Max Dax: „texte, notizen, szenarien“ kommt in der Tat fast ohne Abbildungen aus…

Thomas Scheibitz: …zum ersten Mal ist eines meiner Hefte ein Lese- oder besser gesagt: ein Textbuch.

Das Interview ist ein Auszug aus aus „texte, notizen, szenarien“. Der Titel kann direkt beim Diamondpaper Verlag bestellt werden.