Situation 14: Uwe Jäntsch

by MaxDax

  

Die Vucciria, das einst prächtige Bankenviertel von Siziliens Hauptstadt, bröckelt schon lange einer fernen, gentrifizierten Zukunft entgegen. Halb verfallene mittelalterliche Palazzi trotzen tagsüber der Hitze, während die mit schwarzen Lavasteinen gepflasterten Gassen selbst nachts noch glühen. Auf der zentralen Piazza Garraffello, ein kleiner Platz mit einem uralten Brunnen und zugleich der Ort, an dem 1624 die Pest in Palermo ausbrach, arbeitet der Österreicher Uwe Jäntsch seit fast auf den Tag genau 17 Jahren an einer sozialen Skulptur immensen Ausmaßes.

Während die Fassaden der Palazzi in sich zusammenstürzen und deren Innenleben wie Puppenhäuser sichtbar werden, mauert die Stadtregierung die Piazza mit Ytongsteinen einfach zu. In dieser apokalyptischen Kulisse malt Uwe Jäntsch die nicht einsetzen wollende Gentrifizierung ganz nach seinem eigenen Geschmack: In riesigen Lettern steht auf die Mauern der Paläste geschrieben: UWE TI AMA (UWE LIEBT DICH) oder: BANCA NAZION oder: ESSO oder: DUREX.

Seine Arbeiten sind der schönste vorstellbare Vandalismus (man kann ihnen nur vorwerfen, dass sie niemals die totalen kriminellen Dimensionen des Vandalismus der palermitanischen Stadtverwaltung erreichen, die ein ganzes historisches Stadtzentrum verfallen lässt). In diesem Sinne bewegt sich Uwe Jäntsch in der Tradition von Joseph Beuys und Christoph Schlingensief.